Wednesday, June 13, 2007

The Exit, please?


Man höre und staune, ich habe seit heute irgendwie die Nase voll von allem. Myanmar ist zwar einerseits eine Schatzinsel für Buddhisten, und die meisten Leute hier sind ganz entzückend, aber die extreme Schwüle und das indisch anmutende Chaos (nee, schlimmer!), das hier herrscht, strengen viehisch an. Nichts geht einfach und problemlos und das nervt! Ich habe hier aber im Prinzip fast alles erledigt, was ich abchecken wollte, und ich glaube, ihr findet mich im übernächsten Flieger zurück nach Thailand und vielleicht(!) sogar früher als gedacht im Land wo guter Wein und Aeppler fliessen!!! :))



































Friday, June 08, 2007

Myanmar



Mingalaba allerseits!

In den letzten 2 Jahren hat sich doch einiges getan, zumindest was das Angebot an Internetcafes in der Hauptstadt angeht. Daher melde ich mich also doch schon früher als vermutet. Selbst mein Guesthouse stellt Computer mit Internetzugang zur Verfügung! Das einzige Problem ist, dass ich nicht in mein Yahoo Account komme...ich habe jetzt fuer Myanmar eine email bei gmx eingerichtet: christine.huebner3@gmx.de
Eure Adressen habe ich leider nicht im Kopf, aber
Ich freue mich natuerlich ueber Post von Euch!!!

Gestern schaute ich mir bereits die International Buddhist Theravada University an. Das Gebäude ist recht imposant (riesig und viel Gold auf dem Dach) und der Campus grün und angenehm ruhig. Aber so international die Uni auch sein mag, die Studenten sind doch fast ausschließlich asiatische Mönche und Nonnen. Ich habe mich dort mit Büchern eingedeckt (noch mehr Gepäck, fürchterlich!) und habe mir vorsichtshalber mal die Prüfungsfragen der Aufnahmetests der vergangenen Jahre kopieren lassen, aber da mich eigentlich erst der Stoff ab dem BA interessiert, man aber dafür erst den Diplomkurs machen muss, dessen Unterrichtsbücher mich aber überhaupt nicht ansprachen, reizt mich ein Studienjahr an dieser Uni aus diesen und anderen Gründen doch nicht so.

Ansonsten ist es hier extrem schwül und drückend bis dann der erlösende Regenguss kommt, nur dann natürlich in Kübeln. Ich hatte heute eine weiße dünne Hose an, und war innerhalb weniger Minuten so nass, dass es aussah, als würde ich nur in Unterhosen dastehen.

Und das Essen ist leider eine Katastrophe, vor allem im Vergleich zur thailändischen Küche. Bisher habe ich noch nichts gegessen, was mir wirklich geschmeckt hat – bis auf die Mangos.

Naja, morgen fahre ich mit dem Nachtbus nach Mandalay – 15 Stunden, und das auf mittelmäßigen Strassen in einem ebenso weniger luxuriösen Bus. Von Mandalay aus werde ich nach Sagain fahren, was etwa eine weitere Stunde Fahrt bedeutet, und dort werde ich mir dann in Ruhe die buddhistischen Akademien Sitagu und Dhammvijjlaya ansehen und mich in der idyllischen Umgebung etwas erholen. Ich denke mal, dass ich spätestens in einer Woche wieder nach Yangon zurückfahren werde (was die gleiche Tour retour bedeutet, oder vielleicht besser: Tortur retour?). Dort besuche ich noch die 2 verbleibenden Meditationszentren, wo ich gegebenenfalls etwas länger bleibe, um einen Retreat zu machen.

Das war’s erst mal wieder! Tschüß, eure Tine

Monday, June 04, 2007

led sneppel satt







Savadikaaaa!

nach 2 Monaten Aufenthalt im Vipassana Tempel habe ich mich also wieder auf „weltlichen Boden“ begeben. In Chiang Mai habe ich mir zusammen mit einigen „spiritual friends aus dem Kloster“ den Vortrag des vietnamesischen Zen Masters Thit Nath Han angehört. Der Vortrag war zwar nicht schlecht, aber irgendwie wurde nichts neues gesagt und ich muß zugeben, dass ich die Bücher und Poesie des Meisters inspirierender finde, als seine Sangha...die waren mir alle etwas zu ernst, obwohl doch ständig vom Lächeln gesprochen wurde!



















Selby und ich haben uns dann spontan dazu entschlossen nach Ko Chang zu fahren. Wir fanden einen sehr schönen und ultra relaxten Strand, wo man in Baumhäusern wohnt und in Hängematten baumelt. In meiner ersten Hütte hatte ich aber leider Bedbbugs! Mein ganzer Körper und vor allem meine Beine waren total zerstochen. Ich bin dann zwar in eine andere Hütte umgezogen, aber der Juckreiz hat mich noch Tage später fast wahnsinnig gemacht.

In meiner neuen Hütte hatte ich dafür 2 andere „Mitbewohner“. Der eine unerwünscht aber geduldet – eine Ratte, die jede Nacht um 4 Uhr vorbei kam, und mich durch ihr Schmatzen weckte, da sie in alles reingebissen hat, was nach Futter aussah oder roch ( Zahnpasta, Fenistilcreme, Seife, Notizbuch, Waschlappen...) und der andere war ein kleiner abgemagerter Hund, den ich abends immer mit meinen „Ledsneppel“ Fischresten fütterte. Der Abschied fiel schwer...ich taufte ihn übrigens „Muggel“, wie alle meine lieb gewonnenen Tiere.

Selby ist jetzt wieder in Australien und ich in crazy Bangkok. Hier kümmere ich mich gerade um ein neues Visum und einen Flug nach Myanmar. Dort möchte ich mir einige buddhistische Universitäten und Vipassana Zentren ansehen und eventuell auch etwas bleiben und meditieren, wenn es mir gefällt. Am 7. geht’s los. Von Myanmar aus werde ich mich, wenn überhaupt, dann nur kurz per email melden, da es dort nur sehr wenige Internetcafes gibt. Bis dahin! Ahoi, eure Tine

Tuesday, May 08, 2007

Letzte Runde


Am Donnestag werden Muggel (links) und ich (rechts) einen erneuten Vipassana starten. Just can't get enough, right?!
Klarblickmeditationsrunde die 5. Alles klar?

Sunday, May 06, 2007

mary contrary erneut am werk

meine ehemalige klosternachbarin hat mir einen link geschickt, wo man sich ein buch als pdf datei herunterladen und ausdrucken kann, das genau unsere form von vipassana beschreibt. ich habe gestern angefangen es zu lesen und konnte an hand der beispiele sehr gut nachverfolgen, in welchem "entwicklungsstadium" ich mich befinde. es treten bei fortschreitender uebung immer mehr hindernisse und in dem buch klar definierte phaenomene auf, wovon ich schon viele hinter mir gelassen habe, aber bei dem letzten hindernis hat es mich eben hinauskatapultiert - der "grosse stein beim graben".

fuer mich ist das ganze hochinteressant und ich merke immer mehr, wie wichtig mir diese vipassana retreat zeit ist. ihr koennt ja mal reinlesen, euch koennte vorallem der schluss interessieren, in dem der moench das ziel und die positiven "nebenerscheinungen" der meditationstechnik beschreibt. natuerlich wird davon ausgegangen, dass man an die wiedergeburt glaubt...

auf folgender seite ganz unten ist bei "literaturtip"die pdf datei, auf die man zum download nur klicken muss. vorallem das vorwort und seite 84, die "vorzuege des klarblicks" koennten euch am meisten interessieren, der rest koennte fuer jemand, der sich damit noch garnicht befasst hat, undnoch keine erfahrungen mit der technik hat, unverstaendlich sein.
http://www.retreat-infos.de/ri-Thailand-SornThawee.htm

tja und von claudia habe ich nun erfahren, dass der beruehmte vietnamesische moench thich nath han, den ich ja eigentlich auf seiner vietnamreise begleiten wollte, nun am 22.mai nach chiangmai kommt, um einen oeffentlichen vortrag zu halten und danach bietet er noch einen 5 taegigen retreat an, wobei die exakten daten noch nicht feststehen.
toll oder? ob zufall oder nicht,
das moechte ich mir natuerlich nicht entgehen lassen. aber da bis zum 22. noch so viel zeit ist, und ich auf garkeinen fall nur in der stadt meine zeit "absitzen" moechte, bei regen aber auch herumreisen und sightseeing wenig reizvoll ist...(mich reizt sowieso vieles nicht mehr so wie vorher)
...
also um es kurz zu machen, die pause und auszeit vom vielen meditieren war absolut notwendig und hat mir gut getan. aber ich habe doch nun wieder neue kraefte geschoepft und lasse mir auch morgen noch einen tag pause zum lesen. dann plane ich aber nochmals in retreat zu gehen - bequemer und lieber waere es fuer mich in meinem zimmer im kloster zu bleiben, aber wenn der ajahn darauf besteht, lasse ich mich eben mit dem klosterauto auf den berg zur einsiedelei fahren - dort ist nur ein moench, sonst keiner. klingt ja schon irgendwie spannend und abenteuerlich, oder?also mal sehen. es kommt wie's kommt...

Friday, May 04, 2007

Es reicht!

soeben habe ich meinen Retreat abgebrochen - es reicht! Heute hat es den ganzen Tag geregnet und ich merkte, dass die Luft draussen ist und ich - nach immerhin 44 Tagen Aufenthalt im Kloster und 39 effektiven Meditationstagen - erst mal genug vom vielen Meditieren habe, aber ja auch Beachtliches geschafft habe. Der Ajahn (Obermoench) sagte, ich waere nun beim "Graben auf einen harten und grossen Stein gestossen" und wollte mich ermutigen weiterzumachen. Aber ich sagte, ich wuerde fuer diese Schwerstarbeit ein anderes Mal zurueckkommen. Er bat mir sogar an, in ein klostereigenes Haus auf den Berg zu ziehen, wo ich mich selbstversorgen koennte und ungestoert weitermeditieren koennte. Ich habe mich ja wirklich sehr geehrt gefuehlt und war im ersten Moment auch tatsaechlich in Versuchung das Angebot anzunehmen, aber...jetzt erst mal 'ne Pause auf dem Pfad zur Erleuchtung! :))Demnaechst wieder mehr. Liebe Gruesse! Eure Christine

Friday, April 27, 2007

Einer geht noch...



Also ich dreh noch ne Runde... ab morgen starte ich meinen 4. Vipassana. Liebste Gruesse! Tschueeees!







Friday, April 13, 2007

bilder aus dem kloster




Ich werde nun also doch nicht nach
Vietnam fahren, um die Tour mit Thich Nhat Hanh mitzumachen,
sondern bleibe weiterhin hier und setze meinen "kleinen Vipassana Marathon" fort. Die Anstrengungen lohnen sich und ich bin total froh hier sein zu koennen. Ab gehts!!!






























Ich habe hier viele "Tierfreunde", mit denen ich es mir manchmal erlaube zu sprechen:))


Monday, April 02, 2007

Frühlingsputz von Innen

11. Tag - ein Tag Pause zwischen Retreats
Ich habe gestern meinen ersten 10-tägigen Vipassana hier erfolgreich abgeschlossen. Wieder gab es zur Krönung am Ende die Aufgabe 48 Stunden am Stück ohne Schlafen durchzumeditieren. Das Essen wird einem aufs Zimmer gebracht und mit Cola, Kaffee und ab und zu einer kalten Dusche gelingt einem tatsächlich dieser Meditationsmarathon. Die gute Nachricht ist, das ich glaube, das Ziel dieser Übung erreicht zu haben, nämlich in den Zustand von ‚Phalasamapatti’ zu gelangen, was nur wenigen gelingt. Phalasamapatti ist die sogenannte "Frucht meditativer Leistungen" und ist mit dem Gefühl eines Tiefschlafs zu vergleichen, wobei es sich aber um einen anderen Bewusstseinszustand handelt. Das interessante ist, dass man damit "geistige Verschmutzungen", also negative Qualitäten wie Haß, Ärger, Groll, Geiz, Gier, Stolz, Eifersucht etc allmählich aber gänzlich auflösen kann. Nicht schlecht oder? Ich werde mich also ab morgen nochmals einem 10tägigen Retreat unterziehen und noch etwas mehr an meinen „inneren Frühlingsputz“ arbeiten.

Eigentlich war der Plan täglich ein paar Zeilen zu schreiben, aber bei 12 Stunden Meditation bin ich froh, wenn ich irgendwo noch ein paar Minuten für Yoga finde. Als ich zu anfangs „nur“ 10 Stunden meditierte um „rein zu kommen“, fand ich am 3. und 4. Tag jeweils ein halbes Stündchen um folgendes vom „äußeren Szenario“ festzuhalten:


3. Tag - Philharmonie für ein animalisches Orchester
Es ist Nachmittag, kurz nach vier. Mein heutiges Tagespensum von 10 Stunden Meditation habe ich soeben erfüllt. Um 5 habe ich meine Unterredung mit dem Abt des Klosters, Phra Ajahn Suphan und dann werde ich eine neue Aufgabe gestellt bekommen. Heute ist genau bei der größten Mittagshitze der Strom ausgefallen, das heißt, alle Ventilatoren waren plötzlich auf Stillstand. Wie die meisten hier meditiere ich ausschließlich in meinem Zimmer. Bei 35 Grad im Schatten und einem Zimmer das auch noch im 2. Stock gelegen ist, staut sich die Wärme zur Mittagszeit und verzieht sich erst spät nach Sonnenuntergang wieder. Wenn man um 3 Uhr aufgestanden ist – hier ertönt die Weckglocke eigentlich erst um 4, aber ich stehe etwas früher auf, damit genug Zeit bleibt, um noch eine halbe Stunde Yoga zu machen und einen Tee oder Kaffee zuzubereiten und gemütlich zu trinken – also wenn man bereits um 3 Uhr aufgestanden ist und nachmittags beim Meditieren Sauna ähnliche Zustände herrschen, ist es eine Kunst nicht träge und dumpf zu werden und dem Schlaf zu entkommen.

Eigentlich ist es eine Schande, die meiste Zeit hinter verschlossener Tür zu sitzen und nicht öfter draußen auf dem wunderschönen, üppig tropisch bepflanzten und friedlichen Klostergelände zu verbringen. Aber es wird empfohlen drinnen und immer am gleichen Ort zu meditieren, da es zu weniger Ablenkung kommt und die Energie so leichter aufgeladen und weniger schnell wieder verloren wird – aus dem gleichen Grund gilt daher auch das Schweigegebot.

Ich schaue aus dem Fenster und verfolge einen riesigen Schmetterling, wie er an Palmen und Orchideen graziös vorbeifliegt. Das Klostergelände ist gleichzeitig die Philharmonie für ein animalisches Orchester, das das Zeug dafür hätte, als Stargast bei der Muppitshow eingeladen zu werden. Im Vordergrund herrscht Grillengezirpe und ein unglaublich lautes Rasseln, wie ich es mir von 1000 Klapperschlangen vorstellen würde, wobei ich immer noch nicht weiß, welche Art von Tieren diese Laute tatsächlich von sich geben. Es ist mal leiser, mal lauter und dann wieder unbeschreiblich laut. Dann gibt es ein Geräusch, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob sich hier um Tiere handelt, oder eher um das Quietschen der Wasserleitung, deren Rohre entlang der Bäume läuft, von wo die Beschallung herkommt. Ich erinnere mich an unseren alten Rasensprenger, der ähnlich geklungen hat, vielleicht assoziiere ich daher die Wasserleitung damit. Eben höre ich einen Vogel, der so klingt, als habe er sich gerade verschluckt. Ein Hubschrauber übertönt kurz alles. Der König, der seinen Wohnsitz in Chiang Mai hat, ist also mal wieder unterwegs. Jetzt hört man wieder den Vogel, der immer so etwas ruft, das wie „Guten Tag“ klingt. Weitere zu erwähnende „Musiker“ wären eine Eule und eine Kreatur verantwortlich für ein Piepsen, das den Tönen unserer Stoppuhren hier verdammt ähnlich ist, nur dass es in verschiedenen Oktaven erklingt und aus den Wipfeln der Bäume kommt, wo sich sicherlich keine „Meditators“ versteckt halten. Ich frage mich, ob dies nun Zufall ist, oder ob sich dieses Tier einen Spaß erlaubt, oder ob Imitation eine Spezialität dieser Vogelart ist, und man daher nur auf diesem Klostergelände diese Spezie den „Stoppuhrgesang“ singen hören kann – weltweit!? Des weiteren höre ich den harten Aufprall einer unreifen Mango, die soeben vom Baum gefallen ist. Eine Säge sägt Holz, Hunde bellen, Kinder lachen und nun beginnen die Nonnen pünktlich ihren abendlichen Gebetsgesang.

Ich trinke meinen aus Deutschland mitgebrachten Yogitee aus und lächle über das Etikett am Teebeutel. Dort steht: „Stille ist die höchste Errungenschaft des Selbst“. In diesem Sinne schließe ich das Fenster, setze mich auf mein Meditationskissen und lasse wieder Ruhe einkehren.



4. Tag - Sesam öffne dich!
Als ich heute Vormittag in meinem Zimmer einen Kopfstand machte, verriegelte ich sicherheitshalber die Tür von Innen. Der „Riegel“ ist ein kleines Stiftchen, das man im Türknopf von Innen quer stellt, so dass von Außen der Türknopf nicht mehr drehbar ist. Da ich für diese Tür aber immer ein Vorhängeschloß benutze, weil ich gar keinen Schlüssel bekommen habe, stand ich plötzlich vor einem Problem, als ich zum Mittagessen gehen wollte und die Tür auf einmal auch ohne Vorhängeschloß von außen zu war. Mein erster Gedanke war: „Oh shit!“ aber mit meinem zweiten Gedanken klopfte ich mir mental auf die Schulter und war zumindest darüber erleichtert, dass ich mein Zimmer in einem präsentierfähigem Zustand hinterlassen hatte. Während Vipassanaretreats sind meine Zimmer grundsätzlich sauberer und aufgeräumter als sonst. Erstens verbringe ich dann viel mehr Zeit in meinen eigenen vier Wänden (fast nonstop) und zweitens fallen mir bei der Gehmeditation ständig neue Dinge auf, die man noch putzen, aufräumen, verschönern oder verstecken könnte. Die Versuchung ist dann groß, es nicht sofort zu tun, und damit die Gehmeditation zu unterbrechen. Unter uns gesagt, siegt mein spontaner Tatendrang dann doch meistens unter dem Vorwand es „auch ganz meditativ“ zu machen. Mein Zimmer wäre wohl weniger auf Hochglanz, wenn ich dafür die kostbare Zeit meiner rationierten Pausen aufopfern würde.


Ich bin also statt in die Kantine ins Büro, um den Mönch noch zu erwischen, bevor er in seine dreistündige Mittagspause verschwinden würde. Der Mönch und ich haben eine Gemeinsamkeit bei uns festgestellt: Wir sehen beide jünger aus, als wir eigentlich sind. Dann hört es aber schon auf mit den Gemeinsamkeiten: Jeder fühlt in der Gegenwart dieses Mönchs seine Tugenden aufs Äußerste herausgefordert, da er ein total krasser ‚Controlfreak’ ist und einen mit jedem Wort und jeder Geste ermahnt und beformundet - während ich doch eigentlich ganz normal und nett bin - :o) . Heute war er ausnahmsweise aber auch nett. Er führte mich zu dem Mönch, der für solche handwerklichen Arbeiten der Fachmann zu sein scheint. Der nahm noch einen jüngeren Kompagnon mit, und zu dritt marschierten wir in den Teil des Klostergeländes, wo Männer normalerweise keinen Zutritt haben: Achtung Frauen! Dem jungen Mönch war es sichtlich etwas unangenehm. Die Messertechnik funktionierte an meiner Tür leider nicht. Er dachte ich hätte ein älteres Modell. Er bat mich doch erst mal Mittagessen zu gehen - er hatte sicherlich auch Hunger – und danach würde er sich etwas einfallen lassen. Hierbei sei erwähnt, dass er nur thai sprach, aber die Message kam durch seine Gestik trotzdem rüber.

Um punkt 12 Uhr eröffnete mir meine Tür dank Hammer und Brecheisen wieder meine vertraute Umgebung. Gott, oder besser, den Mönchen sei dank. Im Zimmer mache ich mir noch einen Tee bevor es dann wieder an die „Arbeit“ geht. Ich muß schon wieder schmunzeln, wie gut der Text auf dem Teebeuteledikett zum Thema passt: „Meditation führt uns durch Zeiten der Not.“ Immerhin blieb ich entspannt und gelassen bei der ganzen Aktion. Die Arbeit hier scheint erste Früchte zu tragen.

Sunday, March 18, 2007

Breath in, Breath out...

Ich fahre morgen mit dem Zug nach Bombay, wo ich mir ein Flugticket nach Chiangmai, (Nordthailand) kaufen werde. Ich werde am 20. Nachmittags in Bombay ankommen und wenn alles planmaessig verlaeuft, noch Bea und Thea auf 'nen Kaffee treffen und dann am selben abend fliegen. Im Kloster werde ich dann wieder einen Vipassana Meditationsretreat machen, wobei ich noch nicht weiss, wie lange ich diesmal bleiben werde...das letzte mal (feb06) schaffte ich ja 34 Tage, aber diesmal wird es viel heisser sein...es sind jetzt schon 35 Grad dort, was das Meditieren nicht gerade erleichtern wird. Anyway, dort bin ich also, solltet ihr laenger nichts von mir hoeren. Liebe Gruesse, OOOOOOOOOOOOOOMMMMMM
und AHOI!

Delikatessen...

Heute werde ich wohl das letzte Mal mein suedindisches Lieblingsgericht essen: PARATA (der pfannkuchenaenliche Fladen unten); Die Dinger schmecken so ein bisschen wie ein Crossover aus Croissant und Omels selbstgemachten mit schoen viel Fett gebratenen Spaetzle...der absolute Hammer!!! Ich kann sie morgens, mittags und abends essen - was ich zugestandener weise auch mache:)) Hier am Strand gibt es natuerlich auch die ausgefallensten Fischsorten, aber wenn Parata im Angebot ist, lass ich jeden noch so exotischen Leckerbissen aus dem Meer dafuer stehen. Und da dieser Paragraph meine kulinarischen Vorlieben zum Thema hat, darf der Kaffee nicht unerwaehnt bleiben...Unten ein Bild, das fuer die Robert Lembke Show geeignet waere, unter dem Motto: "Machen Sie eine typische Handbewegung!?" Selbstgemachter Kaffee versteht sich :0)






Thursday, March 15, 2007

dwelling in the god realms...

Ja, Varkala ist toll, und wie auch letztes Jahr habe ich mich wieder im edlen Preth Beach Resort einquartiert, wo man sich mit ayurvedischen Massagen verwoehnen lassen kann, aber bisher habe ich nur am Pool gelegen, gelesen und mich gefreut hier zu sein. Die Yogavacation war schon toll, und ich bin sehr stolz auf mich, dass ich's gemacht und durchgezogen habe, aber es gab Tage, an denen ich nicht unbedingt um 5.30 aufstehen wollte, um mich dem fest vorgeschriebenen Tagesablauf zu stellen...2x30 min Meditation fand ich ja immer super, aber ich war nicht jeden Tag in der Stimmung zu singen, das Klo zu putzen oder mir mit vollgestopftem Magen in bruehtender Mittagshitze in aufrechter Koerperhaltung eine Vorlesung ueber Vedanta anzuhoeren etc - aber ich hab's trotzdem gemacht...und das heisst auch 2x2 Stunden Yoga taeglich!!! Ich habe mir vorgenommen meine taegliche Praxis (Yoga inkl. Pranayama und Meditation) auf 2 Stunden zu reduzieren...vielleicht ist das nicht der steilste Weg zur Erleuchtung, aber das Leben ist ja auch zum Geniessen da, oder was meint ihr?

alles hat ein Ende nur die Woscht hat 2...

Nun sind die 14 Tage Yogavacation
auch schon wieder vorbei. Links kann
man mich in Hochform bewundern und
unten auf dem Boden und mit den Haenden
essend - keine Schweinerei sondern so Sitte
hier - muss uebrigens auch erst gelernt sein,
vorallem wenn man gerne viel Sosse mag...:))



Saturday, March 03, 2007

serve - love - give - purify - meditate - realise!!!








fuer 2 wochen yoga intensiv programm im sivananda "ashram" (huetten in der pampa, aber dafuer schoen shanti:) in der naehe von madurai...

karneval in goa - ehrensache als meenzer meedsche, oddder??








von munar nach tiru




Der Weg ist das Ziel

Es ist acht Uhr. Ich nehme langsam meine Ohrstöpselaus den Ohren. Selbst die neueste Generation vonOhropax konnte mich gestern Nacht nicht von denlautstarken Konversationen meiner indischenZimmernachbarn verschonen.Meine Unterkunft kostet umgerechnet weniger als 2Euro, selbst an einem Feiertag wie diesem, an demjener kleine und begehrte Urlaubsort aus allen Nähtenplatzt und die meisten Zimmerpreise sich über Nachtverdoppelt oder gar verdreifacht haben. Ich bin inMunar, einer ‚Hillstation’ Keralas, wunderschöngelegen inmitten von Hügeln aus saftig grünenTeeplantagen, ähnlich einem Ei, das behutsam in einweiches Nest aus Moos gelegt wurde. Kurz, einbezauberndes Örtchen, jedoch an indischen Feiertageneher zu vermeiden. Ich stehe auf. Ohne dieLärmdämpfung wirken das marktschreierische Toben unddas morgendliche Gerotze fast animalisch. AlleHotelgäste außer mir scheinen Inder und männlichenGeschlechts zu sein. Mein Zimmer ist karg undschmutzig wie eine Garage und tatsächlich auch keineRupie mehr wert. Die Wand wurde schon lange nicht mehrfrisch gestrichen. Neben Moskitos, die dort ihr Lebenlassen mussten, tummeln sich jede Menge Kritzeleien,Zeichnungen und Sprüche. Einer davon erstreckt sichüber einen ganzen Meter und sticht mir sofort insAuge: “Twenty years from now you will be moredisappointed by the things that you didn't do than bythe ones you did do. So throw off the bowlines. Sailaway from the safe harbor. Catch the trade winds inyour sails. Explore. Dream. Discover.”Mark TwainDer Satz inspiriert mich und erinnert mich daran,warum ich eigentlich hier bin. Ich war schon immerdazu bereit, für ein bisschen Abenteuer undNaturspektakel so einiges in Kauf zu nehmen. Sei eseine schäbige Unterkunft, das Risiko krank zu werdenoder zum Beispiel strapaziöse Busfahrten.Gestern überlegte ich lange, was meine nächste Stationsein soll. Zurück nach Arambol in Goa, wo sich zurzeiteinige meiner Freunde aufhalten, wobei ich dort aberbereits mehrere Male war und ein weiterer Aufenthaltnicht unbedingt den Reiz des Neuen und Ungewissenverspricht. Außerdem finde ich die kiffende Mehrheitder dort ‚abhängenden’ Traveller eher öde unduninspirierend. Oder ich mache eine Tour von Munarnach Tambaram, bei Chennai. Dies wäre definitiv dieabenteuerlichere Alternative, da es zum einen auf einelängere Fahrt mit Lokalbussen hinauslaufen würde undich zum anderen in Tambaram die berühmt berüchtigtePalmblattbibliothek besuchen möchte, um mir meinpersönliches Palmblatt mit meiner Zukunft vorlegen zulassen.Ich werde jetzt noch einmal zur Touristeninformationgehen, um zu fragen, ob es nicht noch eine bequemereAlternative gibt, um nach Chennai zu kommen, als miteinem ‚Semisleeper’, wobei nur noch in der letztenReihe 2 Plätze frei sind, die man dann wahrscheinlichnoch nicht einmal ‚semi’-mässig nach hinten klappenkann. Die Vorstellung von dieser 14-stündigen Fahrtist grauenvoll, wobei die Realität wahrscheinlich nochschlimmer ist... Die Touristeninformation hat zu und die Reiseagenturteilt mir mit, dass der Semisleeper mittlerweilekomplett ausgebucht ist, und man nun nur noch mitLokalbussen von Munar weg kommt: Zuerst 4 Stunden nachUdalmapett und dann weitere 2 Stunden nachCoimbattore. In Coimattore wäre es kein Problem miteinem Sleeperbus nach Chennai zu kommen.Der nächste Bus nach Udalmapet fährt in einer halbenStunde. Ich flitze ins Zimmer zurück und packe soschnell wie möglich meinen unverzichtbaren Ballast anGepäck zusammen. Nass geschwitzt aber pünktlich sitze ich abfahrtbereitim richtigen Bus. Die Odyssee beginnt. Ich mache esmir ganz vorne zwischen den Postsäcken bequem. Ichfahre gerne mit den lokalen ‚governementbusses’. Ichmuss nicht mit x anderen Touristen zusammengequetschtin einem Minibus für den 5-fachen Preis sitzen. Indiesem Fall hatte ich aber noch nicht einmal dieOption des Minibusses, da kein Tourist außer mir nachUdalmapet möchte... Auf Wiedersehen Munar! Du bist bezaubernd und ich binnicht wirklich in deinen Genuss gekommen. Vielleichtkomme ich zurück, aber nicht mehr an einem Feiertag.Obwohl ich gestehen muss, dass ich es gestern Abendwider Erwarten sehr genossen habe. Zuerst dachte ichnur mit Horror an die Menschenmassen und die lauteMusik, doch mitten im Getümmel empfand ich esplötzlich als etwas Besonderes, Teil diesesfeierlichen Geschehens zu sein. Ich bekam Gänsehautund genoss den Moment. Die Kirche war mit Fähnchen undbunten Lichtern geschmückt und aus den Lautsprechernertönten schrille indische Hits. Die Frauen hattenihre besten Saris an und mit den Babys auf den Armenbetrachteten sie die Zeremonie in der kleinen Kapelle.Außer viel Weihrauch konnte man aber von meinerPosition aus nicht viel erkennen. Ich weiß noch nichteinmal, ob es ein christlicher Feiertag war, oderwarum man feierte. Aber im Prinzip war es mir egal.Noch 5 Minuten, dann geht es endlich los. Ich werfeeinen letzten Blick auf das Treiben in den Strassen.Ich sehe viele Männer, sitzende Männer, Hand in Handlaufende Männer und herumstehende Männer, aber keineeinzige Frau. Munar, wo sind deine Frauen? Der Himmelist bewölkt. Der Abschied fällt daher etwas leichter.Der Motor wird angeworfen. Auf Wiedersehen KrsnaLodge, du dreckiges Loch. Doch der Herr an derRezeption war bemerkenswert freundlich undhilfsbereit, und über den Preis konnte man ja auchnicht meckern. Der Inder würde sagen: „Cheap andbest!“ Die meisten abgehärteten langzeitreisendenIndienfans würden diesem Gütesiegel wohl zustimmen.Ich bereite mich mental auf die kommende„Offroadexperience“ vor. In Indien hat im Grunde fastjede längere Busfahrt mit den LokalbussenOffroadpotential, wenn man mit „offroad“ folgendesassoziiert: schlechte Strassen, Ungewissheit,Beschwerlichkeit, Nervenkitzel, Risiko, Pannen, manist der Fremde in der Fremde, kein anderer Travellerweit und breit...Wenn ich mir diese Rostschüssel genauer ansehe und andie Serpentinen und die indische Fahrweise denke,verspricht die Fahrt all dies und mehr. „Expect theunexpected“, das ist Indien für mich. Aber natürlich hoffe ich, dass der Risikofaktor nurein abstrakter Faktor bleibt. Ganesha, der Gott mitdem Elefantenkopf, der für die Überwindung vonHindernissen zuständig ist, betrachtet uns beschützendvom Armaturenbrett aus. Es kann also nichts mehrschief gehen.Ich bin auf Coimbattore gespannt, obwohl der Gedankedaran bei mir ein gewisses Unbehagen hervorruft. Icherwarte von dem Ort die üblichen Eigenschaften einerdurchschnittlichen indischen Stadt, auf die ichallesamt gerne verzichten würde: Menschenmassen undVerkehrschaos, ein unübersichtliches Wirrwarr aus zuvielen Bussen, Autos und Rikschas, wobei alle konstanthupen. Die Abgase und der Staub bleiben einem beimAtmen im Hals stecken. Mittagshitze und Uringeruch alsi-Tüpfelchen auf den Sinnesangriff. Gleich geht es los. Ich hoffe, dass mich derKartenverkäufer nicht meines Platzes verweist. Ichkann mir vorstellen, dass er normalerweise auf diesemprivilegierten Sitz ganz vorne neben dem Fahrerthront. Doch wenn er nett ist, so überlässt er mirdiesen „ladies seat“: Ist der Bus nicht restlosüberfüllt, dann haben Frauen nämlich das Recht, nichtdirekt neben einem Mann sitzen zu müssen. Privilegiensolcher Art lass ich mir gerne gefallen.Es wird windig. Ein Hauch von Urin bläst mir insGesicht. Die dunkle Wolkendecke verdichtet sich. Esfängt an zu nieseln. Schade, das Fenster werde ich beider Fahrt wohl zumachen müssen. Nun duftet die feuchteLuft nach Eukalyptus. In jeder scharfen Kurve und bei jedem riskantenÜberholmanöver werde ich daran erinnert, wie sehr ichan diesem Leben hänge. Trotzdem genieße ich die Fahrt.Ich höre Musik und betrachte verträumt die an mirvorbeiziehende Landschaft. Hohe Bäume ragen graziösaus einem meterhohen saftig grünen Teppich hervor.Bunte Häuser flitzen an mir vorbei. So idyllisch würdeich auch gerne irgendwann einmal wohnen wollen. Dieschrille Hupe holt mich zurück in das Hier und Jetzt.Warum müssen in Indien alle Hupen so unmenschlich lautsein?Plötzlich halten wir an einer Schranke, die sogleichfür uns geöffnet wird. Ein Schild weißt darauf hin,dass nun das Gelände eines Nationalparks beginnt.Keine schlechte Überraschung. Ich wusste gar nicht,dass im Preis eine Safari inbegriffen ist. Wir fahrenlangsam. Die Schlaglöcher werden immer häufiger undtiefer. Ich halte gespannt Ausschau nach wildenElefanten. Nach einer Weile wird die Strasse wieder besser.Unsere Geschwindigkeit erhöht sich, und auf einmalsind wir schon in Udalmapet. Der Busbahnhof gleichtdem regen Treiben eines Ameisenhaufens. Als einzige„Weiße“ weit und breit reagiert man höflich undhilfsbereit auf meine Frage, wo der Bus nachCoimbattore abfahren würde. Die Sonne stichterbärmlich. Meine Kleidung ist staubig. Es gibt keineSitzbänke. Ich setze mich auf eine Treppenstufe, dasbisschen mehr Dreck macht nun auch nichts mehr aus.Nach nur 10 Minuten sitze ich schon im nächsten Bus,auch wieder ganz vorne links.Über mir hängt ein Monitor. Der Busfahrer startet eineneue DVD und dreht die Lautstärke voll auf. Ichversuche den Film so gut es geht zu ignorieren undschaue aus dem Fenster. Die schrillen Videos gehörenleider auch zur „indischen Offroadexperience“.Bollywood lässt grüßen.Die Fahrt vergeht im Flug. Coimbattore ist ätzend. Ichtraue mich die verpestete Luft nur durch meinen Schaleinzuatmen. Der urbane Dschungel wirkt bedrohlich. AmBusbahnhof wusste man nichts von einem ‚Sleeperbus’nach Chennai und verwies mich auf einen Stadtbus zumzentralen Busbahnhof. Mit meinem Gepäck zwischen denBeinen sitze ich etwas eingequetscht bereits imnächsten Bus. Alle starren mich an. Ich lächlefreundlich zurück. Der Bus zieht sich langsam wie einPflug durch die von Menschen überfüllten Strassen undGassen. Wir kämpfen uns mühsam im Schritttempo durchdas dichte Treiben eines lokalen Marktes. Meinelatente Platzangst wird stärker und ich hoffe, dass esbald vorbei ist. Plötzlich fahren wir an einerReiseagentur vorbei, die mit einem großen Schild fürBusfahrten nach Chennai wirbt. Ich reagiere spontanund gebe ein Zeichen, dass ich aussteigen möchte. Esist bereits 18.00 Uhr. Die Agentur hat zum Glück nochauf. Ich gehe zum Schalter und stelle mich an. EinMann wird vor mir bedient. Es dauert. In derZwischenzeit haben 2 weitere Männer das Officebetreten. Beide drängeln sich seitlich vor. Ich bin zumüde, um mich darüber aufzuregen. Hauptsache ichbekomme irgendwie heute Abend noch eine Verbindungnach Chennai.Endlich bin ich an der Reihe. Der Ticketverkäufer istsehr unfreundlich. Der Sleeper ist bereits ausgebucht,es gäbe nur noch einen Semisleeper um 21.00 Uhr. Alser mir versichert, dass ich einen Ladies’ Seat ganzvorne bekomme, kaufe ich kurz entschlossen dieFahrkarte. Ich überbrücke die Wartezeit in einemeinfachen Restaurant, esse meine LieblingsgerichtParatha und vertiefe mich in mein Buch. Ich esse wiedie Inder mit der rechten Hand, die linke lasse ichunterm Tisch. Trotzdem werde ich von allen Seitenangestarrt. Mal wieder nur unter Männern frage ichmich, ob in diesem Restaurant vor mir jemals ein‚western tourist’ aß. Den Blicken nach zu urteilenbezweifle ich dies. Der bunte Paradiesvogel, derversucht unauffällig zu bleiben, in dem er nach untenschaut und so tut, als wäre alles ganz normal.Manchmal wünsche ich, ich könne mich wie damals imIran als Muselmanin verkleiden und meine westlicheIdentität einfach hinter einem Tschador verstecken. Die zehnstündige Busfahrt vergeht schnell und isterträglich, da ich die meiste Zeit davon schlafe. InChennai angekommen erfahre ich, dass Tambaram gar keinStadtteil sondern ein Vorort ist und ich eine weiteredreiviertel Stunde mit dem Zug fahren muss. Ich stärkemich mit Dosa, meinem südindischen Frühstücksfavoritenund weiter geht’s Richtung Palmblattbibliothek. DerZug ist überfüllt. Trotz Stehplatz genieße ich dielangsame Zugfahrt und überlege mir bereits Fragen anden ‚Nadi Gruha’, der die Kunst des Palmblattlesensbeherrscht. Nach einer halben Stunde Fahrt gibt mirein junger Mann ein Zeichen mal kurz aus dem Zugauszusteigen. 2 Wagons weiter vorne schaut derLockführer aus dem Fenster und fragt mich aufEnglisch, wo ich denn aussteigen wolle. Ich wusstebereits, dass Tambaram Endstation sein würde, aber nunist auch der freundliche Lockführer beruhigt, dass ichmeine Station nicht verpassen werde. Ich bin entzücktund gleichzeitig gerührt. Vor dem Bahnhof in Tambaram suche ich mir eineRikscha. Ich zeige dem Fahrer einen Zettel mit derAdresse, die ich aus dem Internet hatte. Er weißsofort Bescheid und sagt nickend „Ha, ha, Guruji SriRamani“. Ich freue mich, dass er den Weg bereits kenntund steige ein. Während der Fahrt merke ich, wie dasGefühl von Spannung, Neugier und Vorfreude ansteigtund wie eine Feder unter der Nase, meine Nerven zukitzeln beginnt. Werde ich heute schon einen Terminbekommen? Was wird er mir erzählen? Wird erakzeptieren, dass ich nicht unbedingt meinen Todestagerfahren möchte? Wird er mir meine Lebensaufgabeoffenbaren? Wann wird der Mann meines Lebens auf derSpielfläche auftauchen? Plötzlich kommen wir in eine reiche Wohngegend. DieSpannung steigt. Gleich sind wir bestimmt da. Wirhalten an einem Haus, vor dem bereits einige Autos undTaxen parken. Etwa ein Duzend Menschen sind um einen Mannversammelt, der auf einem Stuhl im Zentrum desGeschehens sitzt. Es wird eine Puja mit viel Blumenund Räucherwerk abgehalten. Der Guru sieht mich, stehtauf und kommt auf mich zu. Er fragt nach meinemAnliegen. Ich erwidere ihm, dass ich jenes Buch überdie Palmblattbibliotheken gelesen habe, und nun gerneselbst ein ‚Reading’ hätte. Er schüttelt leicht mitdem Kopf und sagt, dass es ihm nicht so gut ginge under zurzeit keine ‚Readings’ geben würde. Dannerkundigt er sich, woher ich komme und wie lange ichnoch in Indien bleiben würde. Er gibt mir einen Zettelmit seiner Telefonnummer und bietet mir an, mich beimeinem nächsten Chennaiaufenthalt zu melden und esdann noch einmal zu versuchen.Er verabschiedet sich höflich und geht auf seinenPlatz zurück. Ich werfe einen letzten Blick auf dieversammelten Leute und steige überrascht und leichtenttäuscht wieder in die Rikscha ein. Noch keine 10 Meter gefahren, fragt mich der Fahrer,ob ich denn nun wieder zurück nach Chennai wolle odereher nach Pondicherry. Auf die Frage bin ich nichtvorbereitet. Ich hätte nicht gedacht, dass sich dasThema Palmblattbibliothek so schnell erledigen würde.In das urbane Chaos Chennais möchte ich auf gar keinenFall zurück. Meine Chennaimission war hiermiterledigt, wenn auch erfolglos. Aber Pondy? Vor 3Jahren lebte ich über ein halbes Jahr in einer Kommunein der Nähe von Pondy. Klar, es ist schön da. Ichkönnte auch alte Freunde besuchen. Aber eigentlichwürde ich lieber irgendwohin fahren, wo ich noch nichtwar. Plötzlich kommt mir Tiruvanmalai in den Sinn.Diesen Pilgerort, der an einem heiligen Berg gelegenist, wollte ich schon immer einmal besuchen. Ich frageden Rikschafahrer wie weit wohl Tiru von Tambaramentfernt sei. Nur drei Stunden? OK. Ab zum Bus nachTiru.Ich werde mitten im Menschengewühl abgesetzt. Hierkäme irgendwann ein Bus nach Tiru, aber ich müssedamit rechnen, dass ich keinen Sitzplatz mehr bekäme.Es ist der letzte Tag eines verlängerten Wochenendes.Jeder ist unterwegs. Alle wollen nach Hause, wo immerdas auch ist. Der Bus kommt. Ich ergattere mir vornedirekt neben dem Fahrer auf dem heißen Motor einenhalben Platz. Ich kann mich weder anlehnen nochfesthalten. Die Tür bleibt bei der Fahrt offen. Derleichte Fahrtwind tut gut. Es steigen immer mehr Leuteein, bis auch absolut kein Stehplatz mehr frei ist.Wer hätte das gedacht? Jetzt bin ich also auf einmalunterwegs nach Tiruvanmalai! Einige Frauen setzen sichauf den Boden. Die Inderin direkt vor mir knüpft eineduftende Kette aus weißen Blüten, die sie sich wohlspäter in die Haare stecken wird. Sehr hübsch. DieFahrt ist anstrengend und die drei Stunden ziehen sichin die Länge. Der Bus fährt in Tiru ein. Endlich werdeich von meiner ungewollten Sitzheizung erlöst undsteige aus.Ich finde ein karges aber sehr günstiges Zimmer ineinem Ashram und genieße die lang ersehnte Dusche. Ichschlendere danach durch die Straßen und es fühlt sichan wie Liebe auf den ersten Blick. Die Energie diesesso verehrten Berges ist sehr präsent und besonders.Ich mache mich zum Herzen des Ortes auf: Bhagavan SriRamana Maharishi’s Ashram am Fuße des heiligen BergesArunachala. Im Buchladen des Ashrams stoße ich auf einberühmtes Zitat des Yogis: „Whatever is destined notto happen will not happen, try as you may. Whatever isdestined to happen will happen, do what you may toprevent it. This is certain. The best course,therefore, is to remain silent.“ Ich lese dies alsWink des Schicksals und bin nun eigentlich ganzzufrieden, dass es mit der Zukunftsprognose nichtgeklappt hat. Was bringt es mir, wenn ich vorher weiß,dass etwas Unangenehmes passieren wird, außer dass ichmir die Zeit vorher durch Sorgen und zu viele Gedankenauch noch vermiese. Und wenn ich vorher weiß, dassetwas Angenehmes passieren wird, werde ich vielleichtungeduldig oder drehe sogar meine Erwartungen so hoch,dass ich später enttäuscht sein werde. Dennoch bleibeich weiterhin von der Idee fasziniert, dass irgendwoin einer Palmblattbibliothek ein uraltes Palmblatt mitder Beschreibung meines persönlichen Lebens liegt.Aber man sagt ja – ob dies eine bloße Legende ist seidahingestellt – dass die Bibliotheken nur Palmblättervon Menschen führen, die auch tatsächlich eines Tagesvorbeikommen und danach fragen. Die Rishis konntenschließlich in die Zukunft sehen und sparten sichdamit eine Menge unnötiger Arbeit. Wie dem auch sei.Meine „offroadexperience“ zur Palmblattbibliothekbrachte mich also unerwarteter Weise nun an diesenmagischen Ort und zu der Erkenntnis, dass ichweiterhin nicht wissen möchte, was als nächstespassiert. Mein Leben soll ein Abenteuer bleiben.

Friday, March 02, 2007

kodaikanal












on the road mit ellen, bea & den kids


Von Arambol gings ab nach Gokarna, wo wir ein paar Tage blieben. Dann ueber Bangalore nach Madurai und von dort sofort weiter nach Kodaikanal, wo sich dann spaeter unsere Wege trennten. Bea und Ellen (+Louis und Thea) fuhren ueber Cochin zurueck nach Arambol, waehrend ich meine kleine "offroad" Tour von Munar ueber Chennai nach Tiruvannamalai startete...